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DER STUDENT VON PRAG: "Eine neue Epoche der Lichtbildkunst"


Schlussapplaus bei der Flimmerkammer #1: Panzerkreuzer Potemkin am 8. Dezember 2017. (Foto: OJM)

Am Mittwoch, 17. Januar, entert das OJM unter der Leitung von Daniel Grossmann erneut die große Bühne der Münchner Kammerspiele und erweckt einmal mehr stumme Filmbilder zu tönendem Leben – als thematische Erweiterung und Variation der Kammerspielpremieren.


Wie in Eugène Labiches Komödie Trüffel Trüffel Trüffel (nächste Vorstellungen: 17./18. Februar, Kammer 2) wird auch in dem gezeigten Stummfilm Der Student von Prag gesellschaftliche Teilhabe und privates Glück mit wirtschaftlicher Prosperität in Verbindung gebracht:

Um 1820 in Prag. Der arme Student Balduin ist seines Lebens überdrüssig. Aus seiner Misere kann nur das „große Los oder eine reiche Erbin“ helfen. Prompt verliebt sich die Komtesse Margit in Balduin – eine konfliktträchtige Liaison, wegen des Standesunterschiedes, aber auch aufgrund ihrer Verlobung mit Baron Waldis-Schwarzenberg. In dieser fatalistischen Stimmung hat der zwielichtige Scapinelli mit seinem dämonischen Handel leichtes Spiel bei Balduin: Er bietet ihm 100 000 Goldgulden, nimmt dafür sein Spiegelbild. Erst später wird Balduin bewusst, wie hoch der Preis war, den er für sein neues Leben bezahlt hat. Seine Vergangenheit wurde er nicht los, indem er vor ihr geflohen ist. Stattdessen hat er sich selbst zum Gegner gemacht.


Synchronität auf die Miliisekunde genau: Beim Proben eines Stummfilmes hat der Dirigent nicht nur das Orchester und die Noten vor sich - genauso wichtig ist der Bildschirm, auf dem der Film und der Timecode zu sehen ist. (Foto: Robert Brembeck)


Mit Der Student von Prag bricht laut Premierenprogramm „eine neue Epoche in der Lichtbildkunst an.“ Die Macher traten hiermit den Beweis an, dass das damals verpönte Medium Kino doch wahre, große Kunst hervorbringen kann. Er ist der wohl erste deutsche Kunstfilm, d.h. alle kinematographischen Möglichkeiten werden vollends ausgeschöpft und zugleich wird allen Ansprüchen gerecht, die gemeinhin an ein Kunstwerk gestellt werden: Angefangen von der hochkarätigen Besetzung (mit Ausnahme von Fritz Weidemann stammt diese gänzlich aus dem Ensemble des Deutschen Theaters Berlin), über die – romantische – Stoffwahl (das im Unterbewusstsein Schlummernde, das den Menschen beherrscht und quält; mit motivischen Rückgriffen auf u.a. Chamisso, E.T.A. Hoffmann und Poe) und deren Umsetzung (vollkommen naturalistische Ausdrucksmittel, genial und mit zahlreichen Spezialeffekten umgesetzt von Kameramann Guido Seeber) bis hin zur Musik (der jüdische Komponist Josef Weiss schuf eine der ersten Originalmusiken der Filmgeschichte, die durch einen ausgeprägt gestischen Charakter und diversen Zitaten volkstümlicher Musik überrascht). Nur der Originalklavierauszug ist erhalten. Inzwischen gibt es eine digital rekonstruierte Fassung des Studenten von Prag (Edition Filmmuseum). Die musikalische Bearbeitung von Bernd Thewes durften wir bereits 2013 in der Volksbühne im Rahmen der Berlinale uraufführen.

Wer vom Studenten von Prag nicht genug bekommen kann, der hat am Mittwoch vor Ort die Gelegenheit, die in diesem Zusammenhang entstandene, umfangreiche DVD mit diversen Fassungen und einer Vielzahl an Materialien zu erstehen. 


Gruselig: Begegnung mit dem Spiegelbild - aber ohne Spiegel. Das OJM bei der Uraufführung der restaurierten Fassung in der Berliner Volksbühne, 2013. (Foto: Robert Brembeck)


Übrigens: „Menschen schrien im Parkett auf“, so ein zeitgenössischer Filmkritiker, „und wagten nicht, auf die Leinwand zu sehen, da sie dort zweimal leibhaftig dieselbe Gestalt sahen. Unmögliches war in diesem Film fotografische Wirklichkeit geworden.“ - wir freuen uns auf eure Reaktionen!

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