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Der Schatz-Cast



Die Stummfilm-Aufführung von  G.W. Papsts Der Schatz mit Livemusik von Max Deutsch am Dienstag, 15. März 2016 rückt näher – doch wer sind eigentlich die Schauspieler? Wir haben uns mal den Cast genauer angeschaut und sind auf einige interessante Details gestoßen:


Albert Steinrück (Glockengießer-Meister Svetocar Badalic) wurde gänzlich ohne Ausbildung zum Theater- und Filmstar, u.a. war er am Münchner Hof- und Nationaltheater engagiert, wo er als Regisseur und nach dem ersten Weltkrieg als Intendant tätig war. Sein plötzlicher Tod war ein Schock: Er starb während Film-Dreharbeiten an einem Blutsturz. Ihm zu Ehren fand in Berlin eine Benefiz-Vorstellung statt, an der alles, was damals Rang und Namen hatte, mitwirkte: Hans Albers, Marlene Dietrich, Max Reinhardt, Max Lieberman, Albert Einstein, Heinrich Mann, der die Gedenkworte sprach, und viele weitere mehr.

Ilka Grüning (Meisterin Anna) war vor dem Zweiten Weltkrieg eine der gefragtesten Theater- und Filmschauspielerinnen und Leiterin einer renommierten und gut gehenden Schauspielschule in Berlin. Nach Hitlers Machtergreifung blieben die Engagements aus, 1938 emigrierte sie nach Frankreich, 1939 in die USA. Nach dem Krieg erging es Grüning wie viele ihrer jüdischen Kolleg*innen und konnte nicht mehr an ihre Vorkriegserfolge anknüpfen. Ihr Heimatland erkannte sie nicht wieder, so dass sie ihren Lebensabend in den USA verbrachte.

Lucie Mannheim (Tochter Beate) war eine erfolgreiche Theater- und Filmschauspielerin und führte auch selbst Regie, wozu sie ihr langjähriger Freund, der Regisseur Jürgen Fehling, der zur NS-Zeit auf der Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Künstler stand, ermunterte. 1933 wurde ihr Vertrag am Berliner Staatsschauspiel aufgrund der sogenannten Arier-Bestimmungen nich verlängert. Göring wollte die Jüdin trotz ihres „rassischen Fehlers“, wie es im Nazi-Jargon hieß, dem Theaterleben erhalten, dennoch emigrierte sie wenig später nach Großbritannien, wo sie u.a. durch ihre Anti-Hitler-Persiflage des Lieds Lilli Marleen oder als Rundfunk-Kommentator der BBC (Pseudonym: Charles Richardson) bekannt wurde. Nach dem Krieg kehrte sie nach Deutschland zurück und konnte ihre Karriere fortsetzen.

Den als charismatisches Genie und größter Schauspieler seiner Zeit gefeierte Werner Krauß (Altgeselle Svetelenz) entdeckte der jüdische Theatermann Max Reinhardt. Krauß’ Nähe zum Nationalsozialismus ist unumstritten: 1934 Ernennung zum Deutschen Staatsschauspieler, stellvertretender Präsident der Reichstheaterkammer und 1944 Aufnahme in die Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Schauspieler. Seine Beteiligung am Propagandafilm Jud Süß sowie seine Shylock-Karikatur am Wiener Burgtheater 1943 zählen zu den späten Zeugnissen seiner antisemitischen Haltung. Nach Kriegsende wurde er zunächst aus Österreich ausgewiesen, doch im Zuge der Entnazifizierung konnte er als „Minderbelasteter“ nach Zahlung seiner Strafe in Höhe von 5000 Mark wieder nach Österreich sowie ins Ensemble des Burgtheaters zurückkehren. Er erhielt das Bundesverdienstkreuz, den Iffland-Ring sowie das Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Hans Brausewetter (Goldschmiedegeselle Arno) spielte in knapp 25 Jahren in rund 135 Filmen mit. Während des Dritten Reichs geriet er aufgrund seiner offen geäußerten Kritik am NS-Regime sowie wegen seiner Homosexualität mehrfach in Konflikt mit den Nazis, u.a. wurde er im Oktober 1936 wegen des Verstoßes gegen § 175 vorübergehend verhaftet und ins Konzentrationslager überführt, woraus er nur durch Intervention der Schauspielerin Käthe Haack bei Goebbels wieder frei kam.

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