Stacks Image 121202

Max Deutsch: Schatzsucher, Schönberg-Freund und Schöpfer der ersten Filmsymphonie


„Der Komponist Max Deutsch war beim Vernichten seiner Partituren gnadenlos, denn er hatte sich entschieden, bis auf seine Lehrtätigkeit keine Spuren zu hinterlassen“, so der französische Dichter und  Verleger Henri Lefebvre in seinem 2004 erschienenen Buch Les Unités perdues, einer amüsant-melancholischen Auflistung von verschwunden, verlorenen, vergessenen oder zerstörten Dingen und Ereignissen. Gnadenlos mag Deutschs Zerstörungswille gewesen sein, doch nicht allumfassend. So befinden sich beispielsweise noch einige Partituren im Besitz des Deutsch-Schülers Donald Harris, wie dieser in seinem online veröffentlichten Artikel Growing Up American in Paris schreibt. Und auch die Filmmusik Der Schatz ist erhalten, da diese 1982, kurz vor Deutschs Tod, als Schenkung ans Deutsche Filminstitut in Frankfurt a.M. ging.

Darüber freuen wir uns sehr, denn sonst könnte das OJM am  Dienstag, 15. März dieses außergewöhnliche, musikgeschichtlich relevante Werk nicht zur Aufführung bringen!


Der jüdisch-österreichische Max Deutsch ist in die Musikgeschichte nämlich nicht nur als Schönberg-Schüler, Busoni-Freund und beeindruckender Kompositionslehrer mit Format eingegangen, sondern als der Komponist, der die erste durchkomponierte Filmsymphonie schuf – eine bis dahin noch nicht dagewesene Kombination, was auch der Musikwissenschaftler Volker Scherliess dem Werk bescheinigt: „Analog zur filmischen Gestaltung bleibt auch die Musik über weite Strecken flächig. Sie will und kann nicht jedes Detail nachvollziehen, sondern entwickelt sich großenteils selbständig, wobei die musikalischen Bildungen durch charakteristische Momente der Handlung angeregt werden. (...) Die Musik psychologisiert zuweilen, ohne sich aber ins Detail zu verlieren; sie ist durch ein lockeres Netz von Leitmotiven verknüpft, die einer bestimmten Person oder Atmosphäre zugeordnet sind. Dabei ergibt sich mitunter eine, gerade wenn mehrere Themen kombiniert werden, Dichte des Satzes, die den Anspruch autonomer symphonischer Musik erfüllt.” ( Neue Zeitschrift für Musik, 1984)

Übrigens: Max Deutsch hegte einige Jahre später den Plan, selbst auf Schatzsuche zu gehen, zumindest berichtet davon sein Schüler Donald Harris. Er ist es auch, der Deutsch als „schwer einschätzbar“ beschrieb. Einmal bat Deutsch ihn um Bezahlung der Kompositionsstunden für einige Monate im Voraus. So hoffte er an genügend Geld zu kommen, um eine angeblich in der Seine versunkene Galeone bergen zu können. An Bord dieses Schiffswracks soll sich nämlich ein Goldschatz befunden haben … Donald Harris hörte dann nie mehr von diesem Plan.

Login

Stacks Image 121194

gefördert von:

Stacks Image 124616

Medienpartner:

Stacks Image 124620

Hauptsponsor:

Stacks Image 124629

Medienpartner:

Stacks Image 124635

gefördert von:

Stacks Image 124639

Medienpartner:

Stacks Image 124645

gefördert von:

Stacks Image 124649